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Bau von zwei Ausbildungszentren: Zukunftschancen und Einkommen für die vergessenen Waisen von Ruanda

Projektdaten

Landkarte von Ruanda.

Land/Region: Ruanda, Provinz Gitarama, Distrikte Kayumbu und Ntongwe
Kurzbeschreibung: Bau und Betrieb von zwei Berufsbildungszentren für Kriegs- und Aids-Waisen aus Kinderhaushalten
Lokaler Partner: CARE Ruanda, Provinz- und Distriktbehörden

Warum hilft CARE?

Als Folge des Völkermordes und der raschen Ausbreitung von HIV/AIDS kämpft Ruanda heute mit der weltweit höchsten Rate an Waisen unter 15 Jahren. Mehr als 400.000 Waisenkinder leben in dem zentralafrikanischen Land – Tendenz steigend. Die meisten von ihnen sind auf sich allein gestellt und in reinen Kinderhaushalten sozial isoliert – ohne Unterstützung und Hilfe von Erwachsenen, ohne Wissen und Erfahrung im Geldverdienen. Minderjährige müssen ihren Haushalt führen und die jüngeren Geschwister erziehen. Sie wissen kaum, wie sie sich vor Ausbeutung und Gewalt schützen sollen.

Ruanda: Das Land der vergessenen Kriegs- und Aids-Waisen

Frauen und Kinder arbeiten auf einem Feld.
Ein kleines Feld zum Bestellen: Viele Waisen in Ruanda haben nicht einmal das zum Überleben. Fotos: CARE/Christina Heitmann

Wer Glück hat, dem hinterließen die Eltern nach ihrem Tod ein kleines Stück Land, um dort etwas anzubauen – doch oft ist das Grundstück zu klein, der Boden zu karg, kein Geld für Saatgut vorhanden. Die Ernte reicht bei weitem nicht, um alle Geschwister satt zu machen. Für die Ältesten bleibt nur ein Ausweg: im Tausch gegen Mahlzeiten einfache Hilfsarbeiten zu verrichten: Feldarbeit, Viehhüten, Holz und Wasser holen. Oft werden Mädchen aus Kinderhaushalten sexuell ausgebeutet, Prostitution gegen Lebensmittel bildet für viele Mädchen die einzige Möglichkeit zu überleben.

Wie hilft CARE?

Um die wachsende Anzahl von Kinderhaushalten vor materieller Not, Ausbeutung und Gewalt zu schützen und ihnen eine Zukunftschance zu geben, führt CARE in Ruanda spezielle Programme für Waisenkinder durch, die eigene Haushalte führen. CARE bildet in Dörfern freiwillige Pateneltern aus. Die „Nkundabanas“ (übersetzt: „die, die Kinder lieben“) unterstützen in Zusammenarbeit mit CARE allein stehende Kinderfamilien mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Medikamenten, vor allem aber mit Rat und persönlicher Hilfe.

Das Ziel: Waisenkindern eine Chance auf Einkommen und ein Leben in Würde geben

Um den Teufelskreis aus Not und Abhängigkeit zu durchbrechen, ist jedoch nichts so wichtig für Waisenkinder wie eine Ausbildung: Sie vermittelt das Wissen, wie man selbst genügend Geld und Nahrung verdienen kann, ohne sich dabei Gewalt und Ausbeutung auszusetzen. CARE führt deshalb nicht nur Trainingsprogramme zu effizienteren Anbaumethoden, Tierhaltung oder Hygiene für Kinderhaushalte durch. Die Waisen von Ruanda brauchen auch die Chance, einen richtigen Beruf zu erlernen. Hierfür fehlt es in zahlreichen Regionen Ruandas an Ausbildungszentren.

Das RTL-Projekt: Bau zweier Ausbildungszentren in der Provinz Gitarama

Die Moderatorin umringt von einheimischen Kindern.
RTL-Moderatorin Nazan Eckes besucht das CARE-Projekt in der Provinz Gitarama.

In der Provinz Gitarama ist der Anteil der Waisenkinder besonders hoch, deshalb arbeitet CARE dort mit derzeit 3.000 Kinderhaushalten, das entspricht 18.000 Waisenkindern. In allen zehn Distrikten Gitaramas gibt es Grundschulen, doch nur acht Distrikte verfügen über ausreichend berufliche Ausbildungszentren.

Um den Waisenkindern aus den Distrikten Kayumbu und Ntongwe eine Berufsausbildung zu ermöglichen, hat CARE gemeinsam mit der RTL Stiftung zwei dringend benötigte Ausbildungszentren gebaut und ausgestattet. Zusammen finanzieren CARE und RTL die Kosten für die ersten zwei Jahre, danach tragen sich die Schulen zu großen Teilen selbst: aus dort erstellten Produkten und Dienstleistungen sowie staatlichen Förderprogrammen.

Das Konzept: Zwei Jahre praktische Ausbildung in einem zukunftsträchtigen Beruf

Um ein optimales Schulungskonzept sicherzustellen und in beiden Trainingscentern nachhaltige und zukunftsweisende Berufsbilder und Lehrpläne anzubieten, führt CARE in Zusammenarbeit mit dem ruandischen Ministerium für Bildung und Erziehung eine Studie durch, die alle bereits bestehenden Ausbildungszentren des Landes einbezieht. Ihre Ergebnisse bilden die Grundlage für das Endkonzept der geplanten Ausbildungszentren in Kayumbu und Ntongwe. Standorte für die Schulen wurden gemeinsam mit den lokalen und regionalen Behörden ausgewählt. Die Ausbildung beinhaltet:

  • die jährliche Aufnahme von 300 Kindern pro Schule;
  • eine zweijährige theoretische und praktische Halbtags-Ausbildung mit staatlichem Abschlusszertifikat;
  • die Wahl zwischen vier Berufen: Schneiderei, Schreinerei, Automechanik, Installation/Hausbau

Unterstützung durch Nkundabanas und „Food for Education“

Einige von hunderten "Nkundabanas", die mit CARE zusammenarbeiten. Foto: CARE/Matthias Themel

Damit die berufliche Ausbildung besonders der älteren Waisen die materielle Lage der beteiligten Kinderhaushalte nicht weiter verschlechtert, hat CARE gemeinsam mit den Betroffenen, mit Sozialarbeitern, Provinz- und Distriktverantwortlichen ein Modell zur sozialen Abfederung entwickelt. Die Ausbildung findet halbtags statt, so dass die Teilnehmer nachmittags weiterhin für ihre jüngeren Geschwister da sein können.

Vormittags erhalten diese in ihrem gewohnten sozialen Umfeld eine Betreuungshilfe durch Nkundabanas oder besuchen weiterhin ihre eigene Schule. Da die Älteren in ihrer Ausbildungsphase nicht oder nur eingeschränkt zum Lebensunterhalt beitragen können, erhalten die Waisen während der gesamten zwei Jahre Nahrungsmittelhilfen von CARE im Rahmen eines „Food for Education“-Programms.

 Tagesschau-Thema Ruanda - zehn Jahre danach. Der verdrängte Völkermord - die Wurzeln und Folgen des Genozids von 1994

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