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09.01.12

Haiti: „Gemeinsam kleine Schritte gehen“

Frédéric Haupert

CARE schafft Unterkünfte, soziale Infrastruktur und Einkommensmöglichkeiten /Hilfsorganisation fordert stärkere Einbeziehung von Frauen beim Wiederaufbau des Landes

Kinder werden im Gesundheitszentrum von Léogâne geimpft. (Foto: CARE/ Béliard)

Kinder werden im Gesundheitszentrum von Léogâne geimpft. (Foto: CARE/ Béliard)

Luxemburg/Port-au-Prince, 09. Januar 2012. Während sich am Donnerstag das
verheerende Erdbeben von Haiti vom 12. Januar 2010 zum zweiten Mal jährt, steht der Karibikstaat weiterhin vor großen Herausforderungen beim Wiederaufbau. Der CARE Länderdirektor für Haiti, Beat Rohr betont: „Auch zwei Jahre nach der Katastrophe kann von Normalität nicht die Rede sein. Haiti steht erst am Anfang eines langen Weges.“

Unmittelbar nach dem Erdbeben lieferte CARE Nahrung, Wasser, Unterkünfte und andere Hilfsgüter an 290.000 Menschen in den besonders schwer betroffenen Gebieten um Léogâne und Carrefour. „Angesichts des historischen Ausmaßes der Zerstörung nach dem Beben, sind wir sehr froh, dass es mit der luxemburgischen CARE-Hilfe bereits drei Tage nach dem Beben gelang, 30.000 Menschen mit lebensrettendem Trinkwasser zu versorgen“, erklärt der luxemburgische CARE-Direktor, Frédéric Haupert. „Mit weiteren Programmen für Schulkinder, für Frauen die Opfer von sexueller Gewalt wurden und vor allem für den Wiederaufbau der zerstörten Stadtviertel, unterstützt die luxemburgische CARE-Organisation dank der Spender und der Unterstützung der luxemburgischen Regierung alle Phasen des Fünfjahresplans von
CARE zum Wiederaufbau“, so Haupert weiter.

Insgesamt hat CARE 1,1  Ein Stück Normalität. CARE stattet Schulen mit neuen Möbeln und Schüler mit Schul-Kits aus. (Foto: CARE/ Béliard)Millionen Kubikliter Trinkwasser an über 500.000 Menschen verteilt. Es wurden mehr als 2.500 Übergangshäuser für insgesamt 13.400 Menschen gebaut und 2.500 Toiletten und Duschen errichtet. Die Versorgung mit lebenswichtigen Hilfsgütern dauert an, im vergangenen Jahr wurden die Programme aber Schritt für Schritt von der Nothilfe zum Wiederaufbau überführt.

So arbeitet etwa das Programm „Nachbarschaften der Rückkehr“ mit 5.000 Haushalten in Carrefour, um Infrastruktur wiederherzustellen sowie Bildung, Sicherheit und Einkommensperspektiven zu verbessern. Ziel ist es, die vom Erdbeben betroffenen Stadtviertel zu unterstützen, damit Familien, die zurzeit noch in Zeltlagern leben, dort Lebensgrundlagen wie Wasser, Latrinen und eine Unterkunft vorfinden. Die Schließung der Zeltstädte hat auch für die haitianische Regierung oberste Priorität.

CARE erinnert auch daran, dass Frauen im Erdbebengebiet und anderen Landesteilen in den letzten zwei Jahren enorm viel dazu beigetragen haben, die Schäden der Katastrophe zu beseitigen. Dabei fühlen sie sich von zentralen Entscheidungen des Wiederaufbaus ausgeschlossen, der zudem durch politische Blockaden verlangsamt wurde. „Haitianische Aktivistinnen betonen, dass noch viel mehr getan werden müsse, um die Bedürfnisse und
den Beitrag von Frauen zum Wiederaufbau zu berücksichtigen“, berichtet der CARE Länderdirektor für Haiti, Beat Rohr.

Krankenschwester wiegt Kleinkind vor Impfung. (Foto: CARE/ Béliard)Frauen und Mädchen sind regelmäßig Ziel sexueller Gewalt und erhalten in den seltensten. Fällen medizinische und psychologische Betreuung. CARE hat Gemeindezentren errichtet, in denen sich Frauen in einem sicheren Umfeld über Gewalt, sexuelle Gesundheit und andere Themen austauschen. CARE unterstützt auch lokale Behörden, wie Länderdirektor Rohr berichtet. In Carrefour etwa setze die Polizei nun weibliche Beamte zur Bearbeitung von Fällen sexueller Gewalt ein. „Das mag wie ein kleiner Schritt aussehen. Aber in Haiti hängt der Wiederaufbau eben davon ab, dass tausende Menschen jeden Tag gemeinsam solche kleinen Schritte gehen“, so Rohr.

Im letzten Jahr hat CARE auch ein Kleinsparprogramm in den Erdbebengebieten Haitis eingeführt, mit dem die Hilfsorganisation seit seiner Einführung 1991 im westafrikanischen Niger weltweit nachhaltige Erfolge bei der Armutsbekämpfung verzeichnen konnte. Mitglieder der Spargruppen haushalten gemeinsam und erhalten Darlehen, um kleine wirtschaftliche Aktivitäten zu unternehmen. Ein Großteil der Mitglieder sind Frauen, die nach dem Beben Opfer von sexueller Gewalt geworden waren. Die Spargruppen erleichtern
es ihnen, wirtschaftlich unabhängig zu werden und damit ihre Familien unterstützen. 

Dieses aus luxemburgischen Geldern finanzierte Projekt stärkt die betroffenen Frauen, sie können leichter mit dem Erlebten umgehen und sich besser vor Übergriffen schützen. Nach dem Erdbeben entwickelte CARE im Jahr 2010 einen Fünfjahresplan zur Nothilfe und dem Wiederaufbau. In enger Zusammenarbeit mit der haitianischen Regierung und den Gemeinden konzentriert sich die seit 1954 in Haiti arbeitende Hilfsorganisation auf die Instandsetzung von Unterkünften, die Versorgung mit Wasser und sanitären Einrichtungen,
Gesundheit, Bildung und Einkommensprojekte. Dabei legt CARE einen besonderen Fokus auf Frauen, die wie in anderen Teilen der Welt auch in Haiti besonders unter den Folgen des Erdbebens zu leiden haben.

ACHTUNG REDAKTIONEN: Neben dem luxemburgischen CARE-Direktor steht Ihnen gerne auch der deutsch- und französischsprachige CARE Haiti-Länderdirektor Beat Rohr für Interviews zur Verfügung.

Für Rückfragen melden Sie sich bitte bei: 


Frédéric Haupert
Direktor
Tel: 26203060
Mobil: 621490942
haupert[at]care.lu

 



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