
Liebe Freunde von Oscarcito,
gerade bin ich von meinem Abschiedsbesuch in Buenos Aires zurückgekommen und Horst und ich können euch mit Stolz berichten, dass unser Vorschulprogramm Oscarcito für die Slumkinder von Buenos Aires wie geplant jetzt fertig geworden ist. Und zwar mit riesigem Erfolg.
Noch einmal zu eurer Erinnerung: Im Jahr 2004 haben unsere argentinischen Freunde, Linguisten und Pädagogen der Universität Buenos Aires, damit begonnen, ein Vorschulprogramm für Slumkinder zu entwickeln. Bisher gab es in Argentinien für die Kinder der armen Schichten weder Lernmaterialien, noch waren die Lehrer dafür ausgebildet, sie qualifiziert zu unterrichten. Der Teufelskreis von Armut, mangelnder Bildung und daraus resultierend fehlender Aufstiegschancen hatte die Armut für fast die Hälfte der argentinischen Bevölkerung zementiert. Jetzt ist mit Oscarcito ein hoch qualifiziertes Vorschulprogramm entstanden, das dazu beiträgt, diesen Kreislauf zu unterbrechen.
In der praktischen Arbeit mit Kindern und Eltern sind in den vergangenen fünf Jahren folgende Materialien entwickelt worden:
- 10 Lesehefte für die Kinder mit Geschichten rund um das Leben des kleinen Oscarcito, einem Jungen, der genau wie sie in armen Verhältnissen lebt.
- 12 Lesehefte für die Familien, in denen außer kleinen Lesegeschichten eine Fülle von Anregungen und Arbeitsanleitungen enthalten sind, wie die älteren Familienmitglieder mit den kleineren zusammen lernen können. Entwicklungs- und lernpsychologische Erkenntnisse bilden die Grundlage für dieses Material, das dazu geeignet ist, nicht nur die Sprachkompetenz, sondern auch die allgemeine intellektuelle Entwicklung der Kinder zu fördern.
- Umfangreiche Unterrichtsmaterialien für die Lehrer sowie eine detaillierte und praxisorientierte Anleitung, die es ihnen ermöglicht, mit dem Material von Oscarcito einen fundierten Unterricht zu gestalten.
- Ein kleines Theoriebuch für die Lehrer, um ihnen die Grundlagen des Konzepts von Oscarcito transparent zu machen.
Während der fünf Jahre der Programmentwicklung haben bereits etwa 1500 Kinder mit Oscarcito gearbeitet. Wichtiger und umfangreicher als anfangs gedacht, wurde die Zusammenarbeit mit den Eltern. Sie haben ausgesprochen positiv darauf reagiert, dass sich jemand um ihre Kinder kümmert. Zu den regelmäßigen Elterntreffen, bei denen ihnen eine Anleitung für den Umgang mit den Heften für die Familie gegeben wurde, sind sie zuverlässig und zahlreich erschienen.
Bei einem dieser Treffen wurde mir jetzt mit Cola und Kuchen ein kleines Abschiedsfest bereitet bei dem die Eltern mir ein rührendes Feedback gegeben haben. Sie berichteten davon, dass Oscarcito die Familien näher zusammengebracht hat. In den meisten Familien werden die Oscarcitohefte von allen benutzt und das gemeinsame Lesen, Spielen und Arbeiten macht allen Spaß. Es kommt auch vor, dass die Oscarcitokinder ihren älteren Geschwistern, die selbst nicht mit Oscarcito gearbeitet haben, etwas beibringen können, was sie sehr stolz macht. Überhaupt passen die Kinder sehr darauf auf, dass ihre Eltern zu den Treffen gehen, und „unentschuldigtes Wegbleiben“ wird nicht toleriert.
Die Eltern haben mir aufgetragen, allen Spendern herzlich zu danken. Sie sind sehr gerührt davon, dass Menschen am anderen Ende der Welt an sie denken und sie unterstützen.
Aus den Schulen kommt das Feedback, dass die Oscarcitokinder deutlich bessere Leistungen zeigen als andere Kinder aus den Armenvierteln. Sie haben die Chance, auch in solchen Schulen einen Platz zu bekommen, die sonst keine Kinder aus Armenvierteln aufnehmen.
Wir können uns jetzt aus Oscarcito zurückziehen, denn das Programm steht und funktioniert. Nun ist es die Aufgabe der Argentinier, für seine Verbreitung zu sorgen. Und die ist bereits in vollem Gang. In zwei Provinzen wird Oscarcito jetzt eingeführt. Das heißt konkret: Die Schulbehörden übernehmen die Kosten für den Druck der Bücher und den Kauf von Materialien sowie eine entsprechende Fortbildung der Lehrer. Eine landesweite Einführung von Oscarcito wird vom Schulministerium befürwortet, die Umsetzung wird sich aber über einen langen Zeitraum hinziehen.
Horst und ich haben Oscarcito ausgesprochen gern unterstützt. Abgesehen davon, dass uns das Konzept und die Qualifikation unserer argentinischen Freunde voll überzeugt hat, war die Zusammenarbeit sehr angenehm und ohne Komplikationen. Und für die Argentinier war es das erste Mal, dass sie ein Projekt durchführen konnten, ohne ständig Angst haben zu müssen, dass das zugesagte Geld dann doch nicht ausgezahlt wird. Sie konnten darauf vertrauen: wenn „los alemanes“ etwas zusagen, halten sie es. Und somit ist Oscarcito für alle das erste Projekt, das zum einen so wie tatsächlich geplant und zum anderen bis zum Ende durchgeführt werden konnte.
Das Team von Oscarcito dankt euch allen ganz herzlich für eure Unterstützung und euer Vertrauen!!! Und Horst und ich schließen uns diesem Dank an.
Zum Schluß noch eine Zahl, auf die wir alle stolz sein können:
In den vergangenen fünf Jahren konnten wir eine Gesamtsumme von
überweisen. Damit wurde Oscarcito fast ausschließlich von uns finanziert. Und jeder Euro ist ins Projekt geflossen, denn CARE Deutschland/Luxemburg hat uns seine Infrastruktur kostenlos zur Verfügung gestellt, so dass es keine Verwaltungskosten gab, die von unseren Spendengeldern abgezogen wurden. Dafür herzlichen Dank an CARE.
Herzliche Grüße
Elke Rottgardt und Horst Schroth
P.S. Demnächst fliegen wir nach Johannesburg, um uns dort neue Projekte, die von CARE betreut werden, anzusehen. Vielleicht seid ihr ja wieder dabei.
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