Oscarcito aktuell: Bericht an den Spenderkreis (Januar 2007)

Liebe Freunde von Oscarcito,

ein dreiviertel Jahr nach meiner letzten Reise sind Horst und ich wieder einmal in unserem Vorschulprojekt Oscarcito für die Slumkinder von Buenos Aires gewesen. 

Horst Schroth und Elke Rottgardt mit Oscarcito-Kindern.

Da in Argentinien im Januar Sommerferien sind, konnten wir zwar keinen Unterricht mit den Kindern sehen, dafür aber fand ein Treffen mit Eltern statt, an dem wir teilgenommen haben. Ihr erinnert euch vielleicht, daß ein wichtiger Teil des Vorschulprogramms die Zusammenarbeit mit den Eltern ist. Über die Hefte „En la casa de Oscarcito“ („Zuhause bei Oscarcito“) werden die Eltern angeleitet, zu Hause mit ihren Kindern zu lesen, zu spielen, zu basteln und zu erzählen. Einmal im Monat gibt es eine Zusammenkunft, bei der die Eltern lernen, die Hefte zu benutzen.

Das Treffen, an dem wir teilgenommen haben, war die erste Zusammenkunft einer neuen Elterngruppe, die das erste Mal mit Oscarcito in Berührung kam. Für Horst und mich war es beeindruckend, zu sehen, wie konzentriert die Mütter (es sind hauptsächlich Mütter, die zu diesen Treffen kommen) waren, trotz eines unglaublich hohen Lärmpegels, der durch Handwerksarbeiten am Dach und das Spiel der Kinder draußen entstand.

Eltern und Kinder lernen zusammen

Schon in meinem letzten "Oscarcito aktuell" hatte ich euch berichtet, daß in vielen Familien die Hefte „En la casa de Oscarcito“ die einzigen Bücher sind und daß viele der Eltern wenig oder gar nicht lesen und schreiben können. So konnten wir z.B. beobachten, daß eine der Mütter nicht wußte, wo vorn und hinten ist in einem Buch und wie man es von vorn nach hinten durchblättert. Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig es ist, auch die Eltern in das Programm einzubeziehen. Einerseits, damit sie den Kindern eine bessere Hilfe sein können, andererseits aber auch, um zu verstehen, was diese bei Oscarcito lernen. Damit wird den Eltern die Angst vor einer Entfremdung ihrer Kinder genommen.

Ein Mädchen mit Oscarcito-Buch.

Eine besonders schöne Idee finden wir, daß die Eltern am Ende eines Schuljahres ein Zertifikat über ihre Teilnahme an den Elternkursen bekommen, auf das alle natürlich mächtig stolz sind. Außerdem erhalten sie ein Heft, in dem alle Themen der einzelnen Zusammenkünfte noch einmal zusammengefaßt werden und das mit Fotos von ihnen, die während des Schuljahres gemacht wurden, illustriert ist. Sie haben das Gefühl, in einer Zeitung zu erscheinen, und sie empfinden das als eine große Ehre.

Da die Bereitschaft der Eltern zur Zusammenarbeit erheblich größer ist, als anfangs gedacht, haben unsere Freunde die Programmentwicklung dahingehend verändert, daß jetzt mehr Hefte von „En la casa de Oscarcito“ entwickelt werden, als ursprünglich geplant. Um den Kostenrahmen nicht auszuweiten, wurde dafür der Programmteil „Unterrichtshilfen für Lehrer“ etwas gekürzt.

Oscarcito-Kinder sind Spitzenklasse

Im letzten "Oscarcito aktuell" hatte ich euch auch schon darüber berichtet, daß die Kinder, die an Oscarcito teilgenommen haben und inzwischen in die Schule gekommen sind, dort erheblich bessere Ergebnisse erzielen konnten als andere Slumkinder, die nicht das Glück hatten, von dem Programm profitieren zu können. Jetzt kann ich euch von einem Ergebnis berichten, das man als sensationell bezeichnen kann:

 In einer Vergleichsuntersuchung wurden 90 Kinder der höheren Mittelschicht, die seit 2 bzw. 3 Jahren in einen sehr renommierten privaten Kindergarten mit Vorschulanspruch gehen, auf ihre Sprachkompetenz und auf ihre Lese- und Schreibfähigkeit hin untersucht. Sie wurden mit ebenso vielen Kindern verglichen, die gleich lang am Oscarcitoprogramm teilgenommen haben. Die Oscarcitokinder haben in allen Untersuchungsbereichen deutlich besser abgeschnitten als die Kinder aus der bildungsnahen Schicht, die sowohl zu Hause als auch im Kindergarten gefördert werden.

Horst Schroth hört ganz gespannt zu.

Ein weiteres Beispiel zeigt, daß die Chancen der Oscarcitokinder im Bildungssystem sich verbessern: 

Genau wie hier gibt es auch in Argentinien Schulen, die ein besseres Renommee haben als andere. Und genau wie hier ist auch dort die Nachfrage nach freien Plätzen größer als das Angebot. Bisher hatten die Slumkinder wegen ihrer geringen Vorbildung und Herkunft keine Chance, dort einen Platz zu bekommen. In etlichen dieser Schulen (den konfessionell gebundenen) werden Eingangstest gemacht, die von den Oscarcitokindern, die es dort probiert haben, mit Bravour genommen wurden. In einer der begehrten staatlichen Schulen, (in staatlichen Schulen werden keine Tests gemacht) haben die Oscarcitokinder wegen ihrer dort inzwischen bekannt gewordenen guten Voraussetzungen jetzt auch eine Chance, einen Platz zu bekommen.

Eine weitere Unterstützung für die Kinder ist das gestiegene Selbstbewußtsein der Eltern. Die Zusammenarbeit zwischen Schule und Eltern ist besser geworden und sie haben eine größere Motivation, ihre Kinder auf eine gute Schule zu schicken.

Für die Mitarbeiter von Oscarcito sind die bisherigen Erfolge des Programms bei weitem größer als sie erwartet haben. Uns gegenüber betonen sie immer wieder, daß das ganze Projekt nur deshalb möglich geworden ist, weil Ihr wir alle die Finanzierung von Oscarcito übernommen haben. Und, was ein Argentinier kaum glauben mag: wir haben unsere finanziellen Zusagen immer eingehalten! Unsere Zuverlässigkeit gibt unseren Freunden eine große, bisher nicht gekannte Planungssicherheit, was natürlich die Motivation noch mehr steigert und sicherlich auch zu dem außerordentlichen Erfolg des Projekts beiträgt.

Wir können also auch auf uns stolz sein, wenn wir unseren Freunden wieder die erforderlichen  30.000 Euro für das Jahr 2007 zusichern können.

Horst und ich sagen Euch ganz herzlichen Dank dafür!

Alle Mitarbeiter von Oscarcito lassen Euch grüßen, und sie bedanken sich ganz herzlich für Eure Unterstützung. Dem schließen wir uns an.

Herzliche Grüße

Elke Rottgardt

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