Liebe Freunde von Oscarcito,
gerade kommen Horst und ich von einer Argentinienreise zurück, und somit erhaltet Ihr wieder die neuesten Infos aus unserem Vorschulprojekt „Oscarcito“. Für Horst war das sein erster Besuch im Projekt, für mich bereits der dritte.
Wir waren, so wie ich auch schon bei den ersten beiden Malen, begeistert von der herzlichen Offenheit unserer Freunde, mit der sie uns über alle Einzelheiten des Geschehens im Projekt informiert haben und uns teilhaben lassen. Leider haben wir diesmal den Unterricht nicht sehen können, da schon Ferien waren. Aber wir wurden eingedeckt mit Unmengen von Lern- und Lehrmaterial, das in den letzten Monaten erstellt wurde. Die ersten Oscarcito-Bücher sind fast fertig und sind, nach dem, was ich bisher gesehen habe, sehr schön geworden und sehr liebevoll gemacht.
In meinen vorherigen Berichten hatte ich ja bereits erzählt, dass bei der Entwicklung des Lernmaterials ein wichtiger Anknüpfungspunkt die Lebenswelt der Kinder ist. Da man in Argentinien über das Leben der Armen so gut wie nichts weiß (obwohl fast die Hälfte der Bevölkerung arm ist), ist ein wichtiger Forschungsgegenstand in unserem Projekt das Kennenlernen des Lebens der Kinder. Erwähnt hatte ich ja schon die Beobachtung durch Tonbandaufnahmen. (Den Kindern werden Kassettenrecorder mitgegeben. Mit denen wird ihr gesamtes Alltagsleben - auch innerhalb der Familie - aufgenommen. So kann man die Sprache analysieren und gewinnt Informationen über die Alltagsthemen.)
Als eine andere wichtige Quelle haben sich Elternversammlungen und Hausbesuche der Lehrer in den Familien erwiesen. Obwohl die Eltern furchtbar aufgeregt sind, wenn sie in die Unterrichtsstätten kommen, ist die Beteiligung erheblich größer, als unsere Freunde zu hoffen gewagt hatten. Auch bezüglich der Hausbesuche ist die Kooperation der Eltern größer als gehofft. Der Wunsch, ihren Kindern etwas Besseres bieten zu können als es sonst in diesen Lebensverhältnissen möglich ist, ist sehr ausgeprägt bei den Eltern.
Durch diese Beobachtungen haben die Wissenschafter eine wichtige neue Erkenntnis gewonnen: Die Häuser und Wohnungen der Armen sind fast leer, und die Kinder haben in der Regel kein Spielzeug. Es wird wenig gesprochen, und Gegenstände werden nicht mit ihrem Namen benannt. Die Eltern spielen nicht mit ihren Kindern, weil sie gar nicht wissen, wie das geht. So wachsen die Kinder in einer sehr reizarmen Umgebung auf, und die Sprache, die sie entwickeln, ist entsprechend reduziert. Die einfachsten Zusammenhänge über die Welt, in der sie leben, können diese Kinder nicht herstellen.
Deshalb wird die naturkundliche Bildung in die weitere Programmentwicklung verstärkt aufgenommen. Ausflüge, wie z.B. in den Zoo oder einfach nur in andere Stadtteile, der Besuch von Kindertheatervorstellungen u. v. a. sollen dazu beitragen, den Erfahrungshorizont der Kinder zu erweitern. Man muss sich klar machen, dass das Leben in den Armenvierteln den Kindern wenig Anregung gibt. Es kommt dort niemand hin, der dort nicht wohnt, und das normale Stadtleben mit Verkehr, Geschäften und Menschen findet dort nicht statt.
Ein weiterer neuer Schwerpunkt wird die Einbeziehung der Eltern in den Unterricht sein. Das Material für „Oscarcito“ soll nicht nur in der Vorschule bleiben, sondern es soll auch an die Familien ausgeliehen werden. Die Eltern bekommen eine Anleitung, wie sie mit ihren Kindern spielen können. Die ersten Schritte in diese Richtung sind von Eltern und Lehrern positiv aufgenommen worden.
Die Entwicklung von „Oscarcito“ wird von vielen Lehrern und Pädagogen in ganz Argentinien mit viel Interesse beobachtet. Schon jetzt kommen Anfragen, wann das Programm fertig ist, und viele stehen in den Startlöchern, es zu benutzen.
Horst und ich waren ebenfalls aktiv, als wir in Buenos Aires waren. So haben wir mit der Deutschen Botschaft und mit der Deutschen Außenhandelskammer gesprochen, um über sie Kontakte zu deutschen Firmen herzustellen, die möglicherweise unser Projekt unterstützen könnten. VW hat bereits zugesagt, den Druck von Büchern zu übernehmen, und die Deutsche Botschaft wird die Kosten für den Bau eines Klassenraums bezahlen.
Voraussichtlich im Mai dieses Jahres wird Horst im Goetheinstitut Buenos Aires eine Benefizveranstaltung zugunsten unseres Projekts geben. Einladen wird die Deutsche Botschaft, und eingeladen werden die Mitarbeiter der deutschen Firmen. So können wir dort das Projekt vorstellen und hoffentlich wichtige Kontakte knüpfen.
Eines möchte ich allerdings betonen: der wichtigste und größte Finanzpartner für „Oscarcito“ ist unser Spenderkreis. (2004 sind fast 27.000 Euro zusammengekommen!) Und unserer Erfahrung nach ist das für die möglichen Firmenspender ein ganz wichtiges Argument, sich ebenfalls einzuklinken. Die Tatsache, dass wir selber so viel Geld ins Projekt stecken, gilt als wichtiger Ausweis.
Und zum Schluss noch eine organisatorische Information. Die administrative Projektverwaltung – wie das Bearbeiten der Anträge und das Prüfen der Abrechnungen – wird in Zukunft die international bekannte Hilfsorganisation CARE übernehmen. Da CARE International Deutschland seinen Sitz in Bonn hat, ist die Kooperation leichter und schneller als mit dem Weltfriedensdienst, der in Berlin sitzt. Für Euch und für das Projekt ändert sich dadurch nichts.
Von allen Mitarbeitern aus dem Projekt sollen wir Euch grüßen, und sie sagen ganz herzlichen Dank für Eure Unterstützung. Dem schließen wir uns an.
Herzliche Grüße,
Elke Rottgardt
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