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Oscarcito aktuell: Bericht an den Spenderkreis (Juni 2005)

Liebe Freunde von Oscarcito,

wieder kommen Horst Schroth und ich von einer Reise nach Buenos Aires zurück, und natürlich werden Sie wieder mit brandneuen Informationen versorgt.

Wie Mauro und Juan fühlen sich die meisten Jungen und Mädchen außerhalb ihres Ghettos noch unsicher.

Dieses Mal hatte unser Besuch dort einen ganz besonderen Anlass. Horst Schroth hat im Theatersaal des Goetheinstituts mit seinem derzeit noch aktuellen Programm „Katerfrühstück“ eine Benefizvorstellung für Oscarcito gegeben. Die Deutsche Botschaft und der Deutsche Klub hatten Vertreter der deutschen Wirtschaft in Argentinien gesondert zu einem anschließenden Empfang eingeladen, auf dem unsere Freunde aus dem Projekt die Gelegenheit hatten, ihre Arbeit zu präsentieren.

Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Der Theatersaal des Goetheinstituts war mit über 300 Besuchern bis auf den letzten Platz gefüllt. Abgesehen davon, dass das Publikum begeistert darüber war, endlich einmal deutsches Kabarett zu sehen, hat das Lachen während der Vorstellung die Herzen der Zuschauer geöffnet für unser Hauptanliegen, nämlich Oscarcito bekannt zu machen. Das Interesse, etwas über das Projekt zu erfahren, war sehr groß, und die Leute blieben ungewöhnlich lange auf dem Empfang. Sogar der deutsche Botschafter, Herr Dr. Schumacher, blieb erheblich länger als die Pflicht es geboten hätte.

Nun hoffen wir, dass diese Veranstaltung auch finanzielle Früchte trägt für Oscarcito. Bisher haben die Rotarier, der Europäische Club und die Wirtschaftsjunioren signalisiert, dass sie Möglichkeiten sehen, das Projekt zu unterstützen.

An dieser Stelle möchte ich, wie schon im letzten Bericht, noch einmal betonen: Auch wenn wir bei Unternehmen um Unterstützung für Oscarcito werben, der allerwichtigste Partner für das Projekt ist immer noch unser Spenderkreis.

Für das Jahr 2005 konnte ich unseren Freunden die Summe von 30.000 Euro zusichern!

Das ist weit mehr, als aus Argentinien zu erwarten ist. Zumal wir den Euro bringen, und der ist fast viermal so viel wert wie der argentinische Peso.

Im Zoo von Buenos Aires: Viele der "Oscarcito"-Kinder hatten zuvor noch nie auf einem Karussell gesessen.

Ein anderer Höhepunkt unseres Aufenthalts in Buenos Aires war ein Besuch mit 45 Kindern im Zoo. Für mehr als die Hälfte der Kinder war es das erste Mal, dass sie dort waren. Diese Kinder verlassen ihr Ghetto in der Regel nicht, denn die Eltern verlassen es auch nicht. Abgesehen davon, dass öffentliche Verkehrsmittel teuer sind für die Armen, fühlen sie sich unsicher außerhalb ihres Ghettos und bleiben lieber dort. Viele Eltern können schlecht lesen und sind deshalb zusätzlich unsicher im öffentlichen Leben. Es kann vorkommen, dass sie für Behördengänge lieber ein Taxi nehmen, das sie sich eigentlich nicht leisten können, als den öffentlichen Bus. Außerhalb ihres Ghettos haben sie Angst.

Und diese Angst besteht umgekehrt auch bei denen, die nicht im Ghetto wohnen. Krankenwagen etwa fahren in der Regel nicht in die Ghettos hinein, weil es den Fahrern zu gefährlich erscheint. Aus demselben Grund wird dorthin auch keine Post ausgeliefert. Jeder Bewohner hat eine Postadresse bei jemandem außerhalb des Ghettos und holt sich dort seine Briefe ab, falls er überhaupt welche bekommt.

Schweigendes Staunen: Erster scheuer Kontakt mit den Tieren im Zoo.

Unser Zoobesuch war also etwas ganz Besonderes für die Kinder. Für viele war es nicht nur der erste Zoobesuch, sondern überhaupt das erste Mal, dass sie einen Ausflug machten. Sie waren überwältigt von dem Ereignis und sahen alles nur stumm staunend an. Für uns war es ein ungewöhnliches Erlebnis, eine Gruppe von so vielen kleinen Kindern - zwischen vier und sieben Jahren - so ruhig zu sehen. Eine Karussellfahrt für alle war zweifellos der Höhepunkt des Tages, aber sogar dort waren sie ganz ruhig und bildeten geduldig eine Schlange, bis alle auf dem Gefährt untergebracht waren. Auch die Tatsache, dass nicht jeder auf den beliebten Pferden reiten konnte, führte nicht zu Streitereien oder Meckereien.

Da die Kinder in den Ghettos so isoliert leben, haben sie eine eingeschränkte Erfahrungswelt und auch einen eingeschränkten Wortschatz. Dieses wird bei der Entwicklung des Vorschulprogramms Oscarcito verstärkt berücksichtigt. Es ist vorgesehen, Ausflüge in das Programm aufzunehmen mit der entsprechenden sprachlichen Aufarbeitung im Unterricht.

Und jetzt noch etwas zum Stand der Dinge: Ende Juni gehen die ersten Oscarcito-Lesebücher in den Druck. Sechs kleine Hefte werden in einer Auflage von jeweils 1.000 Stück gedruckt. Sobald ich sie in den Händen habe, werde ich Ihnen ein Foto davon schicken.

Natürlich lassen alle Mitarbeiter von Oscarcito Sie grüßen, und sie bedanken sich ganz herzlich für Ihre Unterstützung. Dem schließen wir uns an.

Herzliche Grüße

Elke Rottgardt

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