Aus medizinischer Sicht

Prof. Dr. Hans Dieter Nothdurft

Im Interview: Professor Dr. Hans Dieter Nothdurft vom Tropeninstitut der Universität München


Cholera – ist das nicht eine Krankheit wie die Pest, die es vor hundert Jahren mal gab?

"Die Cholera gibt es tatsächlich –wie die Pest- seit Hunderten von Jahren. Die Cholera ist aber immer noch aktuell, wie man an den Seuchenherden Afrikas, Südamerikas und Asiens sehen kann."


Wie steckt man sich mit Cholera an?"

Die Erregeraufnahme erfolgt hauptsächlich über verseuchtes Trinkwasser oder Nahrungsmittel. Seltener ist die direkte Übertragung von Mensch zu Mensch. Der Mensch ist wahrscheinlich das einzige Reservoir. Die asymptomatische Erregerausscheidung ohne jegliche Anzeichen einer Infektion ist sehr häufig. Auch nach durchgemachter Erkrankung können die Erreger noch einige Wochen lang ausgeschieden werden."


Und wie verläuft dann die Krankheit?

"Die Erkrankung beginnt plötzlich mit Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall. Die unter Umständen massiven Durchfälle werden zunehmend wässrig (Reiswasserstühle), es kann zu Flüssigkeitsverlusten bis zu 20 Litern pro Tag kommen. Die Patienten leiden unter starken Wadenkrämpfen, es kommt zu zunehmender Austrocknung und Elektrolytentgleisung. Ohne Flüssigkeits- und Elektrolytersatz trüben die Patienten zunehmend ein und es kann zum Tod aufgrund von Nierenversagen und Kreislaufschock kommen. Die Sterblichkeit der unbehandelten Erkrankung kann bis zu 60 Prozent betragen."


Gibt es keine Medikamente gegen Cholera, um Seuchen zu vermeiden?

"Ausgleich des Elektrolyt- und Flüssigkeitshaushaltes (Glukose und Elektrolyte) sind am wichtigsten. Die Gabe von Antibiotika spielt eine untergeordnete Rolle."


Wie können Menschen sich vor Cholera schützen, wenn es kein sauberes Trinkwasser in ihrem Umfeld gibt?

"Wichtig ist eine sorgfältige Nahrungsmittelhygiene. Seit einigen Jahren ist ein relativ gut wirksamer Cholera-Schluckimpfstoff verfügbar. Er hat vor allem Bedeutung zur Eindämmung von Ausbrüchen, z. B. bei Hilfseinsätzen in aktuellen Epidemiegebieten mit eingeschränkten hygienischen Bedingungen (Krisenregionen, Flüchtlingslager). Wichtige Voraussetzung für die Verhütung bzw. Eindämmung von Cholera-Epidemien ist die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und die Verbesserung der Sanitärverhältnisse."

Was bräuchte man, um in einem Land wie Simbabwe die Cholera endgültig zu besiegen?

"Simbabwe befindet sich in einem chaotischen Zustand. Die Infrastruktur, nicht nur die medizinische, liegt völlig danieder. Da kann und muss im Sinne der Katastrophenhilfe dringend etwas getan werden."

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