In Ruanda leben über 400.000 Waisenkinder. Elie Nduwayesu von CARE Ruanda hat sich auf den Weg gemacht, ihnen eine Zukunft zu geben – er schickt sie in die Berufslehre. Sein "Nkundabana"- Projekt (dt.: Die, die Kinder lieben) betreut Waisenkinder und stellt ihnen Mentoren zur Seite, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Was war das Wichtigste, das Sie in Ihrem Leben gelernt haben?
Elie Nduwayesu: Wenn jemand wirklich eine Veränderung im Leben der Menschen bewirken will, dann braucht das viel Zeit, doch am Ende schafft man es. Niemals aufzugeben, das ist das Wichtigste, was ich gelernt habe. Wenn mich ein Kind anlächelt, so ist das eine wirkliche Freude in meinem Leben. Aber ich habe noch etwas gelernt: Um die Probleme Afrikas zu lösen, muss die lokale Bevölkerung gehört und integriert werden.
Warum gehen in Ruanda so viele Kinder nicht zur Schule oder bekommen keine Ausbildung?
Elie Nduwayesu:In Ruanda gibt es mehr als 1,2 Millionen Kinder, die entweder ein Elternteil oder sogar beide Eltern während des Völkermordes von 1994 oder durch AIDS verloren haben. Darunter sind mehr als 400.000 Vollwaisen und 100.000 Kinder, die in so genannten Kinderhaushalten leben. Sie leben also ohne ihre Eltern oder Verwandten und sind sich auf sich allein gestellt. Viele müssen sich mit elf oder zwölf Jahren um den Haushalt, ein Einkommen und die Geschwister kümmern. Auch erwähnenswert: Der Völkermord hat viele Witwen hinterlassen, die nun extrem arm sind und ihre Kinder kaum ernähren, geschweige denn zur Schule schicken können.
Warum ist das Nkundabana-Projekt so erfolgreich?
Elie Nduwayesu: Dafür gibt es mehrere Gründe. Wichtig ist vor allem, dass das Nkundabana-Modell in den Dörfern und Gemeinden verankert ist. Die Einwohner suchen selbst die bedürftigsten Waisenkinder aus und erörtern gemeinsam, woran es ihnen am dringendsten mangelt. Dann besprechen sie mit CARE und den Kindern Lösungen, um die Situation der Kinder zu verbessern. Die Kinder erstellen dabei die Kriterien für ihre Nkundabana, also ihren Mentor, und suchen ihn oder sie selbst aus. Sie selbst entscheiden, wer für sie sorgen wird und wie sie ihrem Leben eine neue Perspektive geben können. Der Erfolg basiert also darauf, dass das Projekt von den Dörflern und den Kindern getragen wird. Das Projekt mobilisiert die Einwohner, und sie fühlen sich für ihre „Patenkinder“ verantwortlich. CARE hilft ihnen dabei.
Was sind Ihre Pläne für die Kinder Ruandas?
Elie Nduwayesu: Ich würde gerne das Nkundabana-Projekt auf das gesamte Land ausweiten. Derzeit arbeiten wir nur in vier Distrikten mit 7.772 Kindern und 692 Nkundabana. Ich habe auch eine eigene kleine Organisation gegründet, die Fair Children/Youth Foundation, die Jugendlichen, unter anderem auch tauben und stummen Kindern, eine Ausbildung geben möchte. Ich zeige damit den Kindern, dass sie etwas wert sind, dass sie ein Teil der Gemeinschaft sind. Nur so können sie es schaffen, sich selbst zu helfen und aus der Armut auszubrechen. Doch um alle Kinder zu erreichen brauchen wir mehr finanzielle Unterstützung und Spenden.
Haben Sie selber Kinder?
Elie Nduwayesu: Ja, ich habe vier Kinder, drei Jungen und ein Mädchen.
Wo haben Sie ihre Ausbildung erhalten?
Elie Nduwayesu: Ich habe Theologie, Erziehung und Psychologie in Afrika studiert. Per Fernstudiengang habe ich drei Abschlüsse in England erlangt, in „Business Management“, „Human Resource Management“ und „Modern Management and Administration“. Meine ersten Arbeitserfahrungen habe ich in Uganda gesammelt, dort habe ich vom Krieg traumatisierte Menschen betreut. Als ich nach dem Völkermord wieder nach Ruanda kam, habe ich bei einer lokalen Organisation ehemalige Kindersoldaten psychologisch betreut. Vor vier Jahren begann ich bei CARE Ruanda und habe dort das Nkundabana-Modell entwickelt.
Mit Elie Nduwayesu sprach Sandra Bulling
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