Laos: Unsere Arbeit trägt Früchte

Von Sabine Dier

Der Tag ist gerade erst angebrochen, es ist noch sehr früh am Morgen. Ringsum mich herum stehen Bäume, von Nebel verhangen. Es ist ruhig, kaum eine Menschenseele weit und breit. Die Straße ist matschig, von Regen aufgeweicht. Ich steige von meinem Motorrad und mache mich zu Fuß auf den Weg. Um mein Ziel zu erreichen, muss ich noch einige Kilometer zurück legen. Hier, mitten in Laos.

Diagnose: Chronische Mangelernährung


Laos gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern dieser Erde. Armut ist weit verbreitet. In den ländlichen Gebieten sind Nahrungsmittel knapp, fast jedes zweite Kind ist chronisch mangelernährt. Das bedeutet, Kinder nehmen über einen längeren Zeitraum zu wenig wichtige Nährstoffe wie Proteine, Kohlenhydrate, Fette, Mineralstoffe oder Vitamine über Nahrung zu sich. Die Folgen sind schwerwiegend: Die körperliche Entwicklung wird beeinträchtigt, das Wachstum gestört. Auch die Konzentration leidet, das Immunsystem ist geschwächt und der Körper anfällig für Infektionen. Kinder können an einfachen Krankheiten wie Masern oder Durchfall sterben.

Chronische Mangelernährung verhindert kindgerechte Entwicklung, bringt Schwierigkeiten in der Schule und später im Arbeitsleben. Wenn jedes zweite Kind betroffen ist, dann hat das zudem noch tragische Konsequenzen für die zukünftige Entwicklung des ganzen Landes.

Nang Duang ernährt ihre Familie jetzt ausgewogener (Foto: CARE/Albert)
Nang Duang ernährt ihre Familie jetzt ausgewogener (Foto: CARE/Albert)

Auf dem Weg der Besserung

Ich erreiche Ban Dabkachork, ein Dorf mit 209 Einwohnern. Bis vor kurzem gab es keinen direkten Zugang zu diesem Dorf, es war vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. CARE hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit den Bewohnern einen Weg angelegt, um ihnen den Alltag zu erleichtern. Zuvor mussten die Dorfbewohner beispielsweise mehrere Kilometer zurücklegen, um Wasser zum Trinken, Waschen oder Kochen zu holen.

In Ban Dabkachork treffe ich auf Nang Duang. Sie lebt hier mit ihrem Mann, ihrer Schwiegermutter und ihren zwei Kindern. In wenigen Wochen wird sie ihr drittes Kind zur Welt bringen. Nang Duang steht morgens auf, kümmert sich um den Haushalt und geht anschließend aufs Feld, um dort zu arbeiten und frisches Gemüse zu ernten. Ihr Mann hat im Rahmen des  CARE-Projektes drei Ziegen erhalten. Durch die Arbeit auf dem Feld und durch den Verkauf des Fleisches bekommt die Familie ein wenig Einkommen.

CARE-Mitarbeiterin Sabine Dier auf Projektbesuch in Laos (Foto: CARE/Albert)
CARE-Mitarbeiterin Sabine Dier auf Projektbesuch in Laos (Foto: CARE/Albert)

Als Projektreferentin von CARE reise ich von Zeit zu Zeit zu den Projekten und überzeuge mich vor Ort von Forschritten und Ergebnissen unserer Arbeit. Hier in Ban Dabkachork kann ich feststellen, dass die Versorgung der Menschen mit ausreichend Nahrung und ausgewogener Ernährung deutlich verbessert werden konnte. Unsere Arbeit trägt buchstäblich Früchte.

Die Familien bauen seit kurzem mehr und vielseitigeres Gemüse und Obst an, darunter Gurken, Mangold, Spinat, Mangos und Litschis. Zusätzlich wurden den Dorfbewohnern in Ernährungsprogrammen wichtige Grundlagen für eine ausgewogene Ernährung vermittelt.  Auch Nang Duang hat an einem Ernährungsprogramm teilgenommen und baut Gemüse an. Sie berichtet: „Jetzt weiß ich, was gesunde und ausgewogene Ernährung bedeutet und vor allem gibt es nun ausreichend Nahrungsmittel in meinem Dorf.“ Sie lächelt zufrieden und streichelt sich über ihren gewölbten Bauch. „Durch das Gemüse, das ich anbaue, kann ich meinen Kindern ausreichend Nahrung mit vielen Vitaminen anbieten. Jetzt kann ich ihnen ein gesundes und besseres Leben ermöglichen.“

Ich frage Duang, was sie sich für die Zukunft wünscht. Sie überlegt kurz und antwortet dann: „Ich bin rundum zufrieden. Alles soll so bleiben, wie es jetzt ist.“

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