„Ich wäre gestorben, wenn Jeanette nicht da gewesen wäre“, sagt Maria Antonia Salgado Gonzalez. Die 37-jährige steht vor ihrer kleinen Lehmhütte und erzählt die Geschichte der Geburt ihres jüngsten Sohnes, Francisco Antonio, der heute zwei Jahre alt ist. Wie zuvor ihre sechs anderen Kinder hat Maria den kleinen Francisco in ihrem Haus zur Welt gebracht. Das Haus hat einen Lehmboden und die Einrichtung beschränkt sich auf ein paar Gitterbetten, die mit Wäsche bedeckt sind, einem kleinen zerbrochenen Spiegel, und einem Familienfoto.
Auch bei dieser Geburt verließ sich Maria nur auf die Hilfe einer ortsansässigen Hebamme und ihres Mannes. „Meine Fruchtblase platzte um acht Uhr abends, und am nächsten Morgen um acht, zwölf Stunden später, war Francisco endlich da“, erzählt Maria. „Er wurde gesund geboren, aber die Nachgeburt kam nicht mit heraus. Um fünf Uhr nachmittags war sie immer noch in meinem Körper und ich blutete sehr schwer.“
„Ich schickte einen meiner Söhne los, um die Ärztin zu holen, Jeanette. Da sonntags die Krankenstation geschlossen war, musste mein Sohn bis zum nächsten Ort laufen, um sie zu finden. Zur selben Zeit kümmerten sich meine Nachbarn darum, einen Notfalltransport für mich zu organisieren. Sie holten mich ab und steckten mich in eine Hängematte, um mich ins Tal zu tragen, wo die Ärzte schon auf mich warteten.“
„An diesem Punkt fühlte ich mich mehr tot als lebendig“, erzählt Maria. „Aber als Jeanette zu mir kam und mir eine Infusion gab, fühlte ich, dass wieder Leben in meinen Körper kam. Dann brachten sie mich in ein Krankenhaus und retteten mein Leben.“
Maria lebt in Jucuapa Abajo – einer wasserarmen, ländlichen Hochlandgemeinde im Norden Nicaraguas. Die Familien hier leben mehr schlecht als recht von der Landwirtschaft. Es gibt keinen Strom, kein fließendes Wasser und kaum sanitäre Anlagen. Marias Geschichte ist hier kein Einzelfall. Die meisten Mütter gebären ihre Kinder zu Hause und ohne die Hilfe von professionell ausgebildeten Hebammen. Deshalb ist das Risiko für Mutter und Kind sehr hoch, wenn Komplikationen auftreten. Marias Nachbarin etwa starb vor einigen Jahren während der Geburt ihres Kindes.
Maria hatte aber Glück, dass die Dorfgemeinschaft mit angepackt hat. In kürzester Zeit war ein Transporttrupp vor Ort, um Maria möglichst schnell zu einem Arzt zu bringen. CARE arbeitet seit Jahrzehnten in den ländlichen Regionen Nicaraguas daran, Krankheiten und Todesfälle unter Müttern und Neugeborenen zu verringern. Dazu gehört die Organisation von Notfalltrupps, und die Ausbildung von Krankenschwestern und Ärzten wie Jeanette.
Der kleine Francisco liebt seine Mutter sehr; er genießt ihre Umarmungen. Es ist sich schwer vorzustellen, wie sein Leben, und das seiner Geschwister, verlaufen wären, wenn Maria nicht rechtzeitig zu einem Arzt gebracht worden wäre.