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03.02.11

Südsudan: Zurück nach Hause

CARE International

Über 182.400 Südsudanesen kehrten in den letzten Monaten in ihre Heimat zurück. Martha ist eine von ihnen.

Martha und ihre vier Kinder reisten über 1.000 Kilometer von Khartoum nach Unity State. (Foto: CARE/Carter)

Martha und ihre vier Kinder reisten über 1.000 Kilometer von Khartoum nach Unity State. (Foto: CARE/Carter)

Mehr als 182.400 Menschen kehrten seit Oktober in ihre Heimat im Südsudan zurück. (Foto: CARE/Carter)

Mehr als 182.400 Menschen kehrten seit Oktober in ihre Heimat im Südsudan zurück. (Foto: CARE/Carter)

Während der Südsudan über seine Unabhängigkeit entschied, wurde ein kleines Mädchen geboren. Martha, die Mutter des Kindes, hatte lange überlegt, ob sie die lange Reise von Khartoum in den Südsudan auf sich nehmen sollte. Denn eine einfache Reise, das war ihr klar, würde es nicht werden: Sie hatte Malaria, reiste alleine mit ihren vier Kindern und war im neunten Monat schwanger.

Als sie frühmorgens am 6. Januar in den Bus stieg, kreisten die Gedanken in ihrem Kopf. Vor allem sorgte sie sich um ihren Mann und ihre Eltern, die vorerst in Khartoum, der Hauptstadt des Sudans, bleiben würden. Es war eine Reise ins völlig Ungewisse: Was würde sie im Südsudan erwarten? Einem Ort, den sie als Kind vor mehr als 20 Jahren verlassen hatte. Einem Ort, an den sie keine Erinnerungen mehr hatte.

 

Über 182.400 Südsudanesen kehrten seit Oktober in ihre Heimat zurück

Was, wenn ihre Kinder in der Schule nicht klarkommen, weil sie die Sprache nicht verstehen? Wie sollte sie das Schulgeld aufbringen? Was würde sie selbst im Südsudan machen? Und wie wird es wohl mit dem Neugeborenen gehen? Und würden sie den Südsudan überhaupt erreichen? Schließlich gab es viele Gerüchte um die schwierige Sicherheitssituation auf der über 1.000 Kilometer langen Strecke in den Süden.

Marthas Familie ist nur ein kleiner Teil einer ganzen Migrationswelle. Teilweise organisiert, teilweise individuell geplant, kehrten seit Oktober über 182.400 Südsudanesen in ihre Heimat zurück, getrieben von dem Wunsch, in naher Zukunft in ihrem eigenen, unabhängigen Staat zu leben. Das Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudans ist Teil des Friedensvertrags, der den 22 Jahre andauernden Bürgerkrieg 2005 beendete.


Unity State, wohin sich auch Martha auf den Weg machte, verzeichnet mit 50.000 Menschen die höchste Anzahl an Rückkehrern von allen zehn Staaten des Südsudans.

 

Bei ihrer Ankunft sind die Rückkehrer müde und ausgelaugt

Martha und ihre Kinder kamen am 10. Januar mit dem Bus im Zentrum von Bentiu an, der Hauptstadt von Unity State. Sie waren völlig erschöpft, müde und durstig. Die letzten 250 Kilometer ging die Reise nur noch über Schotterstraßen und das Thermometer zeigte über 35 Grad an. Martha fühlte sich schwach, hatte Schmerzen und war sich sicher, dass die Wehen bald einsetzen würden.

Die Anstrengungen der Reise in den Süden hatten ihre vorher schon angeschlagene Gesundheit weiter verschlechtert. Vielen Rückkehrern geht es so: Viele klagen über Infektionen der Atemwege, haben Malaria und sind völlig ausgetrocknet. Drei Tage nach ihrer Ankunft in Bentiu suchte Martha in der „Khartoum Klinik“, wie die mobile Gesundheitsstation von CARE hier genannt wird, Hilfe.

Das CARE-Team besteht aus einem Arzt, einer Krankenschwester, einer Hebamme und einem Sozialarbeiter, der den Menschen erklärt, wie sie sich schützen können und wie sie sich, wenn sie krank sind, am besten verhalten. Die CARE-Mitarbeiter leisten Hilfe in den Camps, in denen die Rückkehrer eintreffen.

 

CARE leistet in der "Khartoum Klinik" medizinische Hilfe

Martha ist gerade 26 Jahre alt und hat schon vier Kinder zur Welt gebracht. Aber ihr fünftes Kind ist nun ihr erstes Kind, das im Südsudan das Licht der Welt erblickte. Ihre älteste Tochter hat sie in die „Khartoum-Klinik“ begleitet, die zu ihrer Erleichterung in Laufweite vom Camp liegt.

Der Arzt und die Hebamme, denen klar war, dass Marthas Kind jederzeit zur Welt kommen könnte, brachten sie ins Krankenhaus nach Bentiu, wo sie eine gesunde Tochter zur Welt brachte. So wie es die Tradition will, wird sie am siebten Tag nach ihrer Geburt einen Namen bekommen. Sobald es der Familie besser geht, werden sie nach Mayom Country ziehen, wo sie ihr neues Leben im Südsudan richtig beginnen wollen, und wo sie auf die Ankunft der restlichen Familie aus Khartoum warten.

Trotz aller Schwierigkeiten, die hinter und auch noch vor ihr liegen, ist Marthas Rückkehr von großer Freude bestimmt. Mit der Hilfe von CARE hat sie in ihrer Heimat ein Kind zur Welt gebracht, zu einer Zeit, in der der Südsudan sich in einer historischen Wahl für seine Unabhängigkeit entschied.



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