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07.10.11

Dadaab: Auch Mädchen sitzen in der ersten Bank

CARE International

Bildung ist der Schlüssel für eine bessere Zukunft. Auch und vor allem für Kinder und Jugendliche im Flüchtlingslager Dadaab.

CARE leitet in Dadaab fünf Schulen, damit auch Flüchtlingskinder Zugang zu Bildung haben. (Foto: CARE/Kareb)

CARE leitet in Dadaab fünf Schulen, damit auch Flüchtlingskinder Zugang zu Bildung haben. (Foto: CARE/Kareb)

Es ist ein ganz normaler Tag in der Illey Grundschule im Flüchtlingslager Dadaab im Norden Kenias. Fünfzig Eltern stehen Schlange bis vor das Tor, um ihre Kinder in der von CARE geleiteten Schule anzumelden. Sie kommen nicht nur, weil sie gerne möchten, dass ihre Kinder Bildung und damit eine bessere Zukunft bekommen. Sie kommen auch, weil die Kinder hier jeden Tag eine kostenlose Mahlzeit bekommen. Je mehr Menschen aus Somalia nach Kenia fliehen, desto größer der Andrang von neuen Schülern.

Das Schulgebäude wurde ursprünglich für 1.500 Schüler gebaut. Heute lernen hier täglich 4.000 Kinder – in zwei Schichten. Die Klassen, die zu voll sind, werden in Zelte vor der Schule ausgelagert. Überall hört man Kinder sprechen oder singen.

„The cup is on the table“

“Jedes Kind, das hier zur Schule gehen will, ist willkommen. Aber im Moment ist es schwierig, Platz für alle zu finden,“ sagt Ahmed Hassan, der Direktor der Schule. In seinem Büro steht eine Tafel mit Statistiken über die wachsenden Schülerzahlen.

Die Illey Grundschule liegt am Rande des Camps, wo sich die neu angekommenen Flüchtlinge niederlassen. Die meisten Kinder in der Schule sind erst vor Kurzem mit ihren Familien aus Somalia hierhergekommen. In einem der Zelte gibt Farah Ali Abdi Förderunterricht für Englisch. Die Schüler in der Klasse sind zwischen 4 und 15 Jahre alt. Sie müssen sich alle gut vorbereiten, um bald am normalen Unterricht teilnehmen zu können. „The cup is on the table!“ schreien sie fröhlich – mehr oder weniger einstimmig.

Die meisten Lehrer hier sind selbst Flüchtlinge, wie Farah. CARE bildet sie aus und stellt sie an. Sie sind alle gute, geduldige Lehrer. Aber manchmal ist es schwierig, bei Klassengrößen von bis zu hundert Schülern jedem die Aufmerksamkeit schenken zu können, die er verdient. Die fünf Grundschulen, die CARE im Lager Dagahaley betreibt, sind mit 15.000 Schülern maßlos überfüllt. Trotzdem werden noch viel zu wenige Flüchtlingskinder erreicht: Mehr als 60 Prozent gehen überhaupt nicht zu Schule.

Mädchen haben es besonders schwer

Mädchen stehen vor ganz besonderen Problemen, wenn es ums Lernen geht. Nur 39 Prozent der Schüler sind Mädchen. Traditionell wird von ihnen erwartet, den Haushalt zu führen. „Wenn Eltern zwei Mädchen und zwei Jungen haben, schicken sie die Jungen und ein Mädchen zur Schule und behalten das andere Mädchen zu Hause für die Hausarbeit“, sagt Direktor Hassan. „Sogar diejenigen, die zur Schule gehen, haben weniger Zeit für ihre Hausaufgaben  als ihre Brüder.“ Die jungen Frauen verpassen häufig auch einige Tage Unterricht im Monat wegen ihrer Periode, weil sie Angst haben und sich schämen. Auch wenn Mädchen mit ihrem 14. Lebensjahr heiratsfähig werden, brechen viele von ihnen die Schule ab.

Mitarbeiter von CARE informieren deswegen die Gemeinden, gehen von Tür zu Tür und erklären den Eltern, warum es wichtig ist, dass ihre Kinder zur Schule gehen. Viele verstehen nach und nach, dass auch die Töchter die Familien mit einem guten Job unterstützen können. Die Lehrer, die selbst in den Flüchtlingsgemeinden leben, sind hierbei auch wichtige Ansprechpartner für die Familien. Damit jugendliche Mädchen die Schule nicht abbrechen müssen, berät CARE sie und unterstützt sie unter anderem auch durch die Verteilung von Hygienebinden.

Ein tolles Gefühl

Sahara Hussein Abanoor ist 17 Jahre alt und ist unglaublich fleißig. Sahara geht gerne zur Schule und möchte unbedingt Anwältin werden, um Flüchtlingen wie ihrer Familie zu helfen. „Meine Eltern sehen, was ich alles lerne und sind davon überzeugt, dass mein Leben einmal besser sein wird“, sagt sie in gutem Englisch und strahlt unter ihrem orangenen Hijab, dem Tuch, das ihren Kopf und ihren Körper bedeckt, hervor. „Meine Mutter ging nicht zur Schule, weil sie in Somalia nicht die Möglichkeit dazu hatte. Die Welt hat sich aber sehr verändert. Sogar mein Bruder sagt, dass es gut ist, wenn Mädchen zur Schule gehen.“

Auch viele Männer hier finden, dass Mädchen zur Schule gehen sollten. Einer von ihnen ist Shukri Ali Khalif, ein großer, hagerer 29-jähriger Mann, der seit 2007 bei CARE im Team für Entwicklungs- und Geschlechterfragen arbeitet. Vorher, sagt er, hatte er keine Ahnung davon,  vor welchen Schwierigkeiten die Mädchen stehen und dass es viel wahrscheinlicher ist, dass ein Mädchen die Schule abbricht als ein Junge. Heute engagiert er sich dafür, dass vor allem auch Mädchen zur Schule gehen können. „Ich betreue besondere Gruppen für Mädchen und ermutige sie, sich in der Klasse einzubringen und Fragen zu stellen, anstatt in der letzten Reihe zu sitzen und die Jungen reden zu lassen.“

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Und was denken die Jungen darüber? Shukri, der sich noch an seine Schulzeit erinnern kann, grinst: „Die finden das toll!“



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